Work/Life-Balance – ein Coachingziel?

Abstract

Im Coaching haben Beratungen zum Work/Life-Balance ihren festen Platz. Insbesondere das Coaching, mit seinem zielorientierten Beratungskonzept, scheint hier den geeigneten Rahmen zu bieten, um die beiden Lebenswelten miteinander zu versöhnen. Genau diese Intention gilt es zu hinterfragen und zwar inwieweit sie für die heutigen Bedingungen in der Arbeitswelt noch hilfreich ist. Es gilt nicht nur zu klären, welche Lebensbereiche konkret aus der Balance sind. Von Bedeutung ist insbesonders, inwiefern sich das Erleben dieser Lebensbereiche verändert hat. Zielführend kann bei diesem Fragestellung nur eine wertschätzende ganzheitliche Sicht sein.

Zur Bedeutung des Work/Life-Balance-Konzeptes

Das Konzept von Work/Life-Balance impliziert, dass es auf der einen Seite die Arbeitswelt und auf der anderen Seite das Privatleben gibt. In beiden Bereichen bestehen jeweils Dynamiken, die nicht nur nichtsmiteinander zu tun haben, sondern darüber hinaus auch unterschiedliche Richtungen haben. Dem Konzept entsprechend hat ein Lebensbereich damit die Tendenz, den anderen Bereich zu dominieren, was wiederum zu Defizit- bzw. Verlustgefühlen führt. Weil Work/Life-Balance mit dem zunehmenden Arbeitsdruck ein Thema geworden ist, darf angenommen werden, dass mit dem dominierenden Lebensbereich die berufliche Betätigung gemeint ist.

Der Arbeitsplatz, wo immer er auch angesiedelt ist, stellt demnach an den Berufstätigen Forderungen, die den Interessen des Privatlebens entgegenstehen. Unzweifelhaft hat der Arbeitsalltag einen eigenen Rhythmus und setzt den/die Mitarbeiter(in) einem Arbeitsdruck aus, der auf die Dauer auch zu Krankheiten führen kann. Die selbstverständliche Erwartung von Arbeitsleistungen über den vereinbarten Arbeitsvertrag hinaus oder die Erreichbarkeit per Telefon oder E-Mail auch nach Dienstschluss können hier als exemplarische Beispiele dienen. Das „Abschalten“ wird erschwert und es entwickelt sich ein Gefühl, ständig in einem „Hamsterrad“ zu laufen. Selbst im Urlaub braucht es dann oftmals mehrere Tage, bis die Umstellung auf den Urlaubsrhythmus gelingt.

Coaching und Work/Life-Balancing

Ein Work/Life-Balance-Coaching, das dieser Betrachtung folgt, wird die verschiedenen Lebensbereiche anschauen, Defizite thematisieren und überlegen helfen, wie die verschiedenen Lebensbereiche miteinander in eine bessere Balance kommen können. Dafür können Vorgehensweisen entwickelt werden, die ein Umsteuern ermöglichen sollen. Ein solches Coaching entfaltet selbstverständlich Wirkungen, die ein Erleben von positiver Veränderung beim Klienten aufkommen lassen.

Aber einige Zeit nach Beendigung des Coachingprozesses wird es zu vermehrten Frusterfahrungen kommen. Es scheint dann, als ob das Coaching seine Wirkung verloren hätte und baldmöglichst ein neuer Coachingprozess zur Auffrischung in Anspruch genommen werden müsste. Der Klient erlebt sich in nun neuer Weise in seinen Kompetenzen defizitär. Damit hat das Coaching sein eigentliches Ziel, kompetenzorientiert und in der Kompetenzbewusstmachung dauerhaft stabilisierend zu wirken, verfehlt!

Warum ist das so? Und wie ginge es anders besser?

Das Potential von Coaching für einen Paradigmenwechsel

Ein Coaching, welches in der beschriebenen Weise versucht Klärungsprozesse zu initiieren, greift bei der Erhellung der eigentlichen Handlungsmotive, die zum Leidensdruck einer aus dem Gleichgewicht geratenen Work/Life-Balance führten, zu kurz. Es übernimmmt die Ansicht, dass ein Lebensbereich gegenüber dem anderen prinzipiell gestärkt werden sollte. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass es ein „besser“ gibt, das von einem anderen Lebensbereich blockiert wird. Damit wird jedoch dieser andere Lebensbereich tendenziell abgewertet.

Die Akzeptanz der Themenbeschreibung „Work/Life-Balance“ impliziert zudem, dass das Leben in unterschiedliche Bereiche aufgegliedert ist, die einander nicht nur widerstreben, sondern auch nur begrenzt miteinander verbunden sind. Dahinter steht ein inzwischen veraltetes Lebenswelten-Verständnis. In dieser Sichtweise ist der Arbeitsplatz ein Ort der Fremdbestimmung, mit eigenen Regeln und begrenzten Handlungsspielräumen. Die Teilnahme an dieser Arbeitswelt ist nötig, um mit dem Lohn bzw. Gehalt die Entfaltungs- und Konsumbedürfnisse des Privatlebens zu befriedigen. Nach Feierabend, am Wochenende oder aber im Urlaub ereignet sich dann das „wahre“ Leben. Soweit die Arbeitswelt nicht den privaten Bereich beeinträchtigt, wäre demnach alles in der Balance.

Dieses Lebenswelten-Konzept ist nur begrenzt als Lösungsorientierung geeignet.

 

 

 

 

 

(to be continued…)

 

 

In welcher Weise dieses Thema eher betrachtet werden sollte, deutet ein Artikel auf ‚welt.de‚ vom 31.01.15 an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.